Weltpremiere des Clos des Goisses 2006

Clos_des_Goisses_2006_Tasting_Vertikale_PhilipponnatAm Montag stellte Charles Philipponnat in Zürich im Hotel Baur au Lac den jüngsten Spross der Clos des Goisses Familie vor. Neben dem Jahrgang 2006 wurden 6 weitere Jahrgänge des legendären Einzellagen-Champagners Verkostet und bewiesen dabei beeindruckende Kraft und weiteres Reifepotenzial.

Clos des Goisses zählt ältesten Einzellagen-Champagnern und wurde bereits um 1900 von der Familie Bouché (Verwandte der Philipponnats) und ab 1935 von der Familie Philipponnat (damals Pierre Philipponnat) bewirtschaftet und separat ausgebaut. Die 5,5 Hektar große Lage besitzt eine Steigung von 45 Grad – „gois“ oder „goisses“ bedeutet „steil“ im alten Dialekt der Champagne. Dabei genießen die Reben eine perfekte Südausrichtung, auf reinen Kreideböden. Der Clos des Goisses, setzt sich dabei aus 14 Parzellen zusammen, die mit Pinot Noir und Chardonnay bestockt sind. Dadurch ist Champagne Philipponnat in der glücklichen Lage, eine Assemblage aus einer Einzellage vinifizieren zu können. Charles Philipponnat, der dem Unternehmen mit Sitz in Mareuil-sur-Ay seit dem Jahr 2000 vorsteht, wo die Familie seit 1522 ansässig ist, beschreibt den Stil des Hauses als charaktervoll, weinig, charaktervoll und reif.

In der Champagne werden die Trauben sehr früh, praktisch unreif gelesen. Da vor allem Säure gewünscht ist, die gewünschte Aromatik entsteht bei der Weinbereitung und der Hefeautolyse, so die weitläufige Meinung. Bei Champagne Philipponnat verfolgt man dabei einen anderen Ansatz, man möchte die Trauben auf dem Höhepunkt ihrer physiologischen Reife lesen, was für den Clos des Goisses mindestens 11 Grad potenziellen Alkohol bedeutet. Bei der Assemblage strebt man 65 Prozent Pinot Noir und 35 Prozent Chardonnay an, wobei die Anteile immer um ein paar Prozent je nach Jahrgang schwanken, so stellen wir die Cuvée bereits seit den 1960er zusammen, so Charles Philipponnat.

Die Grundweine für den Clos des Goisses werden zum Teil (fast immer zwischen 30 bis 50 Prozent) in gebrauchten Burgunderfässern vergoren. Dabei setzt man bei Philipponnat auf Fässer, die bereits 1- oder 2-mal genutzt wurden und ein leichtes bis mittleres Toasting hatten. Die Fässer werden vor dem Einsatz bei Champagne Philipponnat, von einem Küfer in Meursault auseinander gebaut, gereinigt und wieder komplett zusammengesetzt. Es wird dabei peinlichst genau auf die Fässer geachtet, da für den Clos des Goisses ein biologischer Säureabbau strikt vermieden wird. Falls es aber doch mal zu einer malolaktischen Gärung kommen sollte, wird der Grundwein für andere Cuvées genutzt und das Fass wird aussortiert, um eine Verbreitung der Milchsäurebakterien zu vermeiden.
„Ich mag es, wenn die Weine anfänglich etwas aggressiv sind. Dann bleiben sie länger am Gaumen, und das wiederum heißt, dass sie in der Flasche gut reifen werden. Zu Beginn suche ich keine Komplexität. Die Komplexität entsteht in der Flasche.“, so führt Charles Philipponnat aus. Die Weine reifen acht bis zehn Jahre auf der Feinhefe, bevor sie degorgiert werden und auf den Markt kommen. Dabei liegt die Dosage stets bei 4,25 bis 4,5 Gramm pro Liter, also „extra brut“, wobei auf dem Etikett bisher noch immer „brut“ steht, um die Kunden nicht zu verschrecken, aber man denkt darüber nach, dies in der Zukunft zu ändern.

Charles Philipponnat unterscheidet zwischen fetten und schlanken Jahren. Zu den fetten Jahren zählt er beispielsweise 2000, 2003 und 2005; zu den schlanken gehören für ihn 1992, 2002, 2004 und 2006, dabei empfiehlt er auch je nach Reifestatus, den Champagner zu karaffieren, um durch eine leichte Oxidation die gewünschte Aromatik zu erhalten. Gerade bei den kräftigeren Jahrgängen mag Charles Philipponnat gereiften Rotschmierkäse, wie Munster, Langres oder Epoisses als Begleitung zum Clos des Goisses.

Der 2006er Clos des Goisses präsentiert sich ausgewogen, in der Nase zeigt er dabei Aprikose, reifer Apfel, kandierte Kumquat, schwarze Johannisbeere, Holunder und leichte Tabak Noten. Am Gaumen wirkt er weich mit einer angehmen Breite und Aromen von Toast, Brombeere und Honig. Das Finale ist sehr lang und wird begleitet von Noten die an Himbeerbrand erinnern, im Zusammenspiel mit einem hefigen-Touch.

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