Gesteine und Böden der Champagne

Alluvium:durch Flüsse transportiertes und abgelagertes Material. Oft Sand und Kies, jedoch können in den alluvialen Ablagerungen der Champagne auch Kreidegeröllteile sowie in mehrere Meter mächtigen konvexen Bänken zementiert Kreidekonzentrationen enthalten sein; jüngere alluviale Böden können Mergel enthalten.
Belemnitkreide:siehe auch Kreide. Patrick Forbes vertritt, was man in der Champagne für bare Münze halt: » Grundsätzlich ist es so, dass der größte Teil der oberen auf den Falaises vorkommenden Kreideschicht dem als Belemnita quadrata bekannten Typus angehört, der sich deutlich von dem in der darunter liegenden Ebene vorkommenden Micrastertypus unterscheidet. Wenn die oberste Kreideschicht auf der Oberfläche der Falaises hauptsächlich dem Micrastertyp angehörte, ist es äußerst unwahrscheinlich, dass es jemals Champagner gegeben hätte. Denn nur dort, wo es Schichten von Belemnita-quadrata-Kreide, bedeckt von einer Schicht tertiärer Ablagerungen gibt, werden die Reben auf den Falaises außergewöhnliche Erträge liefern und Trauben, die Champagner mit dem einmaligen, unnachahmlichen Champagneraroma ergeben. Damit wird der Belemnitkreide eine besondere Wirkung unterstellt, die nicht den Tatsachen entspricht. Wie der Leiter der geologischen Abteilung des Merseyside County Museums, Dr. Geoffrey Tresise, in einer Artikelserie für das Fachmagazin »Wine & Spirit« feststellt, besitzt die Belemnitkreide keine physikalischen oder chemischen Eigenschaften, die sie für den Rebanbau mehr oder weniger geeignet machen als Micrasterkreide, was durch die berühmten Grand-Cru-Orte des nördlichen Reimser Berglands hinreichend bewiesen wird. Zu den Äußerungen zahlreicher Autoren, die schreiben, dass „die Weinberge der Champagne sich auf die belemnitreiche Kreide beschränken, und dass die niedrigeren Lagen, wo Belemniten fehlen, geringerwertige Trauben ergeben, die niemals zur Herstellung von Champagner verwendet werden“, meint er: „Sie folgern, dass das Campan eine besondere, noch Undefinierte Eigenschaft besitzt, die es für den Weinbau besonders geeignet macht. Geologisch gesehen erscheint dies unwahrscheinlich, zumal Campan-Kreide im Pari¬ser Becken weit verbreitet ist und sich auf keinen Fall auf das Reimser Bergland beschränkt.« In Wirklichkeit treten Belemniten, kleine, pfeilförmige Weichtiere, deren dicke, stabförmige versteinerte Schalen die Geologen dazu veranlassten, diese besondere Kreideart des Campan Belemnita quadrata zu nennen, nur vergleichsweise häufig auf. Alle Kreiden einschließlich der Belemnitkreide setzen sich hauptsächlich aus Kokkolithen zusammen; Belemniten machen nur einen geringen Prozentsatz aus und kommen mehr oder weniger auch in einigen Lagen der Micrasterkreide vor. Bekanntlich greifen Geologen bei der Namengebung auf die Bezeich¬nung einer speziellen Lebensform in einer Gesteinsformation zurück, und genauso bekannt ist, dass sie ihre Meinung und damit auch den Gesteinsnamen ändern; so wurde Belemnita quadrata in Gonio thentis quadrata umbenannt.
Kalkstein:jedes hauptsächlich aus Karbonaten bestehende Sedimentgestein.
Kolluvium:rezent verwittertes Material oder Hangschutt, durch Schwerkraft transportiert.
Kreide:Die Bezeichnung wird normalerweise als Synonym für Kalkstein gebraucht, wobei zwar jede Kreide ein Kalkstein ist, aber nicht jeder Kalkstein Kreide. Als Kalkstein gilt jedes Sedimentgestein, das hauptsächlich aus Karbonaten besteht, aber Kreide ist geologisch einmalig, der weiße, sehr feinkörnige Kalkstein der Oberen Kreidezeit. Vor 95 Millionen Jahren bedeckte Meer das heutige Europa, und 30 Millionen Jahre lang, während die Erde eine Phase großer Ruhe durchmachte, schieden einzellige planktonische Algen mikroskopisches Kreidematerial aus, das sich als Kalkschlamm auf dem Meeresboden ablagerte. Wahrend dieser enorm langen Zeit entwickelten sich zahlreiche Formen von Meeresleben, verbreiteten sich und starben aus, während ihre Kalkschalen in dem immer mächtiger werdenden Kalkschlamm dünne Schichten bildeten. Vor etwa 65 Millionen Jahren wurde dieser scheinbar endlose Ablagerungsvorgang im Meer abrupt unterbrochen, als Erdbewegungen Teile des Meeresgrundes anhoben und dadurch die kontinentale Landmasse bildeten. Der Kalkschlamm trocknete aus und ließ bis zu 300 Meter mächtige Kreidebänke entstehen, wie zum Beispiel die Southern Downs von England, Teile des Loiretals und natürlich die Champagne. Die geologischen Bedingungen, unter denen Kreide entstand, sind einmalig, und daher ist das auch die Kreide.
Lehm:Boden, der aus etwa gleichen Anteilen von Ton, Sand und Schluff besteht. Je nach Zusammensetzung spricht man von tonigen und sandigen Lehmen.
Lignit:die deutsche Braunkohle, ein braunes, kohlenstoffhaltiges Material, dessen Eigenschaften zwischen Torf und Steinkohle liegen.
Löß:eine Anhäufung von windverfrachtetem Material, hauptsächlich von Treibsand. Manchmal kalkig, doch meistens verwittert und entkalkt.
Mergel:Kalkstein mit hohem Tongehalt.
Mergelstein:tonhaltiger Kalkstein.
Micrasterkreide:(siehe Kreide, Belemnitkreide). Es gibt zwei Hauptarten: Santon und Coniac. Diese Kreide kommt in den Ebenen vor, jedoch greift sie auch auf die Hänge über, insbesondere im nördlichen Reimser Bergland.
Sand:körniger Quarz, in der Champagne oftmals mit feinen Körnern kalkiger Herkunft gemischt.
Ton:tonerdehaltiges Gemenge, das feucht modellierbar ist.

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