Die Unterlagsreben

Seit dem Auftreten der Reblaus, als es notwendig wurde, sämtliche europäischen Rebsorten auf amerikanische Unterlagen aufzupfropfen, sind buchstäblich Hunderte von Unterlagssorten für praktisch jede Rebsorte und alle Wachstumsbedingungen gezüchtet worden. Zu den Hauptfaktoren, die bei der Wahl der Unterlagsrebe berücksichtigt werden müssen, gehören: die Verträglichkeit mit dem Edelreis, das auf sie aufgepfropft werden soll; ihre Eignung für die geographische Lage und das Klima; die Auswirkungen des Bodens; der Einfluss auf Qualität und Charakter der Trauben. Die Auswahl geeigneter Unterlagsreben wird in der Champagne weitgehend vom Bodenfaktor bestimmt. Ein Boden mit hohem Kalkgehalt kann Chlorose (Gelbsucht) hervorrufen. Im Marnetal ist der Anteil an freiem Kalk – der nicht unbedingt dem Kalkanteil insgesamt entsprechen muss – hoch: im kalkführenden Mutterboden bis zu 43 Prozent und in den reinen Kreideschichten des Unterbodens bis zu 53 Prozent – doch der durchschnittliche Gehalt an freiem Kalk liegt wesentlich niedriger.

Da Vitis Berlandieri, Vitis Rupestris und Vitis Riparia die effektivsten reblausresistenten Rebsorten sind, stammen die meisten Unterlagskreuzungen und -hybriden (Kreuzungen zwischen verschiedenen Arten) von ihnen ab. Von den 28 im Champagnerweinbau zugelassenen Unterlagssorten sind die wichtigsten: die 41 B Millardet et Grasset, die sich durch eine gute Reblausfestigkeit und eine ausgezeichnete Kalkverträglichkeit (bis zu 40 Prozent) auszeichnet, die Selektion Oppenheim 4 oder SO 4 mit einer guten Reblausfestigkeit und recht guter Kalkverträglichkeit (bis zu 18 Prozent) und die 3309 Couderc, die eine ausgezeichnete Reblausfestigkeit und Kalkverträglichkeit (bis zu 11 Prozent) aufweist. Von diesen begünstigen die 41 B Millardet und die SO 4 eine frühe Traubenreife; die SO 4 ist zusätzlich besonders unempfindlich gegen Trockenheit, geeignet für das feuchte Klima der Champagne und wirkt sich ertragssteigernd aus. Drei weitere in der Champagne verwendete Unterlagsreben sind: die 1103 Paulsen mit bis zu 18 Prozent Kalkverträglichkeit; die 333 École de Montpellier mit einer Kalkverträglichkeit über 40 Prozent und befriedigender Reblausfestigkeit; sowie die 161-49 Couderc, die 25 Prozent Kalkverträglichkeit bietet und eine ausgezeichnete Reblausfestigkeit aufweist.

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