Die Champagne – eine Zeitreise

50 vor Christus bis 300 nach Christus: Rom regiert die Champagne; die ersten Weinberge werden angelegt; Durocortorum (Reims) wird die Hauptstadt der römischen Provinz Gallia Belgica und Ausgangspunkt von vier römischen Straßen

451: Römische Armeen besiegen Attila in der Nähe von Châlons-sur-Marne in der Champagne; 200.000 Menschen sterben dabei

461: Niedergang des Römischen Reichs

496: Chlodwig I., König der Franken, nahm alle Gallier unter seiner Führung und konvertierte zum Christentum; er wurde von Bischof Remi in Reims getauft

768: Charlemagne (Karl der Große, König Karl I.) gelingt es Pippin den Kurzen zu ersetzen, als König der Franken vereint er einen Großteil Westeuropas, wie vor dem Fall des Römischen Reiches

800er: Weine der Champagne haben zwei Namen für sich selbst festgelegt: vins de la montagne (rot) und vins de la rivière (weiß (vins gris), oft wird auch pelure d’oignon (Zwiebelhaut) als Farbvergleich genutzt)

842: Die zukünftigen Länder Frankreich und Deutschland werden zwischen drei Enkeln Karls des Großen aufgeteilt; die Champagne und Lothringen sind im Fokus der Machtkämpfe

900er: Die Grafen von Troyes werden die Grafen der Champagne und etablieren die Stadt Troyes als Hauptstadt der neuen Provinz Champagne

1100er: In 131 Gemeinden der Champagne wird Rebfläche bewirtschaftet; Messen für Händler finden in der Champagne statt; die Champenois entwickeln eine erfolgreiche Textilindustrie

1223: Ludwig VIII. wird in der Kathedrale von Reims gekrönt (sowie jeder König in den nächsten 600 Jahren)

1337-1453: Der Hundertjährige Krieg (zwischen Frankreich und England) macht die Champagne zum Schlachtfeld

1400er: In 400 Gemeinden der Champagne wird Rebfläche bewirtschaftet

1500er: Pinot Noir wird in der Champagne angepflanzt

1531: Die ersten Schaumweine werden in Limoux, im Languedoc, nach der Méthode Rurale produziert.

1600er: Aus qualitativen Gründen beginnen die Winzer mit der Unterteilung der Pressungen; Schaumweine sind zufällige Ergebnisse (da im Frühjahr, durch die wärmeren Bedingungen die Hefen die „zweite Gärung“ beginnen) die Rebfläche der Champagne weitet sich vom Vallée de la Marne auf die Montagne de Reims aus

1630er: Sir Robert Mansell, Admiral der Royal Navy und Besitzer einer Glashütte, fügt Eisen und Mangan in den Produktionsprozess der Flaschen hinzu und legt damit den Grundstein für stärkeres Flaschenglas (verre anglais)

1638/1639: Dom Pérignon wird geboren; in der Champagne wird Rotwein als Weißwein produziert, vin gris (damals farblich ähnlich einer Zwiebelschale) wird zum Trend und gewinnt Popularität

1618-1648: Dreißigjähriger Krieg – Frankreich und Deutschland kämpfen um die Kontrolle über die Champagne und Lothringen

1648-1653: Die französische Monarchie kämpft um seinen eigenen Adel, dieser Machtkampf wird als Fronde bekannt; die Truppen des Königs werden in die Champagne geschickt, wo sie innerhalb der eigenen Bevölkerung plündern und rauben. Die Instabilität weitet sich auf die Niederlande aus; Söldnertruppen werden in die Champagne geschickt, um die Bevölkerung, vor Plünderung, Vergewaltigung und Überfällen zu schützen

1662: Ein von Christopher Merret verfasster Artikel wird bei der Royal Society in London eingereicht; er beschreibt, wie durch das Hinzufügen von Zucker, aus Stillweinen, Schaumweine werden

1668/1670: Dom Pérignon wird Kellermeister der Abtei von Hautvillers; er ist Befürworter der Praxis der Lese während der kühlen Stunden des Tages und der Mehrfachdurchgänge im Weinberg bei der Lese, um nur die reifsten Trauben auszuwählen. Er arbeitete auch an einer Mischung aus verschiedenen Rebsorten und Terroirs für eine gleichbleibende Cuvée, weiterhin entwarf er eine flache Presse, um den Kontakt des Mostes mit der Beerenhaut zu minimieren und so einen Weißwein aus dunklen Trauben zu erhalten.

Ende der 1600er: Die Flaschen werden mit einheitlichen Halsöffnungen produziert; der Kork ersetzt Holz als Dichtung der Flasche (ab 1685 in der Champagne); verstärktes Flaschenglas (verre anglais) wird in Frankreich (um 1700) produziert; der Begriff „vin de Champagne“ ist im allgemeinen Gebrauch; der Abstich wird gängige Praxis im Weinkeller; Trauben werden schonender gepresst um eine bessere Qualität des Mostes zu gewährleisten; die Anfänge des Rebschnitts nehmen ihren Lauf, um den Ertrag zu senken und die Qualität zu erhöhen

1695/1698: Der erste mit voller Absicht hergestellte Schaumwein wird in der Champagne produziert

1700er: Die Weinberge der Champagne werden stetig erweitert und umfassen nun auch die Côte des Blancs

1703: England verleiht Portugal den Titel als meist begünstigte Nation (most-favoured-nation); Champagner läuft langsam als alkoholisches Trendgetränk in England Portwein den Rang ab

1710: In Kontenbüchern der Champagne taucht der Begriff vins pour mouser und vins mousseux auf

1724: Mousseux erscheint im Dictionnaire Universel als Begriff für „perlend“ oder „schäumend“

1728: Durch ein königliches Dekret, ist es nur noch in Flaschen erlaubt, Champagner zu verkaufen und zu transportieren; König Georg II. von England verbietet die Einfuhr von Wein in Flaschen, was zu Schmuggel und Fälschungen von Champagner (und andere Weine) führt

1729: Mit Ruinart wird das erste alleinige Champagnerhaus gegründet; der König erlässt ein Dekret um die Expansion der Rebfläche in Frankreich zu stoppen

1735: Durch königlichen Erlass, wird die offizielle Champagnerflasche vorgestellt; per Dekret muss die Flasche mit einem Korken und Schnur verschlossen sein.

1755: Der erste richtige Champagnerglas wird in England produziert, mit einer länglichen, konischen Schale.

1759: Winzer nutzten „wirtschaftliche Not“ als ein Schlupfloch gegen das Dekret zur weiteren Expansion der Rebfläche

1760: Metalldraht ergänzt die Schnur als eine Möglichkeit, den Champagnerkorken auf der Flasche zu befestigen

1772: Das Champagnerglas wird jetzt als eine Flöte (Flûte) bezeichnet

1788-1789: Verheerende Winterfröste führen zu einem sehr geringen Ertrag und bei frostanfälligen Weinbergen zu einem kompletten Ausfall

1789: Französisch Revolution – etwa 50.000 ha Rebfläche stehen in der Champagne unter Ertrag, die größten Grundbesitzer sind die Kirche und der Adel; Châlons-en-Champagne wird Hauptstadt der Region Champagne-Ardenne; die Champagne-Produktion erreicht 300.000 Flaschen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts

1800er: Wissenschaftliche Entdeckungen finden Ihren Weg in die Weinindustrie – die Weine werden nun gefiltert, um Partikel zu entfernen; der Wein wird mit der Hilfe von Pumpen befördert; die Fässer werden mit Codes beschriftet, sodass ihr Inhalt (Herkunft, Rebsorte und Teil der Pressung) schnell identifiziert werden kann; das Konzept des Hausstils hat sich gut etabliert und die Cuvées werden dementsprechend assembliert; Sediment wird über changement de tas und horizontale Sammelracks entfernt; die Schaumweine werden in eine frische Flasche dekantiert, um die Ablagerungen in der Alten zu hinterlassen; das Wort „flûte“ im Sinne von „Trinkgefäß“ erscheint in den französischen Wörterbüchern

1803-1815: Napoleonische Kriege – viele Schlachten werden in der Champagne ausgefochten; die Siegerparade der Alliierten Parade in der Champagne zeigt eine ausgebeutete und verarmte Bevölkerung

1800-1850: Die Rotweinproduktion sinkt von 90% auf 66% der gesamten Weinproduktion in der Champagne; Deutsche wandern in die Champagne aus, um ihr Glück zu suchen

1806: Madame Clicquot beginnt Experimente, um eine Lösung zu finden, Ablagerungen in der Champagnerflasche auf einem schnelleren Weg im Flaschenhals zu sammeln.

1818: Madame Clicquot entwickelt zusammen mit ihrem Chef de cave, Antoine Müller, einen horizontalen Sedimentsammeltisch mit Winkelbohrungen, um die Flaschen in eine vertikale Position durch Rütteln zu bringen; degorgiert wird à la volée

1820: Bedruckte Etiketten ersetzen handgeschriebenen Etiketten auf Champagnerflaschen

1821: Die Zahl der Champagner-Häuser steigt von 10 (am Ende des 18. Jahrhunderts) auf 100; man erkennt, dass Zucker zur Herstellung der Bläschen benötigt wird und druckt die ersten Anleitungen zur Produktion

1830: Die Trois Glorieuses, eine dreitägige Revolution, in der König Karl X. (aus dem Hause Bourbon) von Louis-Philippe, dem Herzog von Orléans, als Herrscher von Frankreich ersetzt wird. Eine konstitutionelle Monarchie wird während dieses Blutvergießens etabliert

1830er: Gezuckerter Cognac wird als Dosage nach dem Dekantieren oder Degorgieren Champagners hinzugefügt; süßer Champagner wurden bevorzugt; es ist allgemein üblich, Champagner mit dem Dessert gekühlt zu servieren: das Coupe Champagnerglas wird eingeführt und erfreut sich großer Beliebtheit

1837: Jean-Baptiste François, ein Apotheker aus Châlons-sur-Marne, stellt eine Formel für die Dosierung des Zuckers für die zweite Gärung auf, damit das Kohlendioxid im Wein eingebunden wird, aber die Flaschen nicht explodieren

1840: Die ersten A-förmigen Rüttelpulte tauchen auf

1844: Die ersten Maschinen für die Dosage erscheinen auf dem Markt; Adolphe Jacquesson erfindet den Drahtkäfig (Muselet), um die Champagnerkorken in der Flasche zu halten

1850: Die ersten sec Champagner tauchen auf und sind eine Reaktion auf die Marktnachfrage nach einem weniger süßen Champagner

1854: Die französische Eisenbahn wird an Epernay und Reims angebunden

1856: Die Korken und Schnüre oder Drähte werden an der Champagnerflasche durch Aluminiumfolie verhüllt

1857: Louis Pasteur entdeckt die Hefe und stellt eine Verbindung zur Gärung her

1860: Das Wort „Champagne“ erscheint nun auf den Etiketten und die Produzenten beginnen, die Bedeutung des Branding ihres Champagners zu erkennen

1870er: Champagnerflaschen werden mit einem Metallbügel oder dem Muselet verschlossen; 80% der Champagne Gesamtproduktion wird exportiert

1870-1873: Die Deutschen besetzen die Champagne nach der Niederlage Napoleons III. (französisch-preußischer Krieg)

1880: Die Muselet werden nun maschinell befestigt

1884: Der Belgier, Armand Walfard, lässt sich das Verfahren für das Degorgieren „à la glace“ patentieren

1887: In einem Berufungsverfahren in Angers wird entschieden, dass das Wort „Champagne“ nur bei Weinen aus diesem Anbaugebiet genutzt werden darf

1888: Die Reblaus taucht im Département Aube auf und bewegt sich nach Norden bis zur Marne

1891: Das Madrider Abkommen tritt in Kraft und regelt die internationale Registrierung von Marke

1900: Die Champagne-Produktion erreicht 28,5 Mio. Flaschen pro Jahr bis zum Ende des 19. Jahrhunderts; die Elektrizität hält Einzug in die Champagne

1904: Die Fédération des Syndicats Viticoles de la Champagne wird gegründet und startet Kampagnen gegen den Betrug der Herkunft und weitere Delikte

1908: Die Champagne definiert seine Grenzen und dies beinhaltet nicht die Aube, wodurch Proteste und Unruhen in der Aube die Folge sind

1911: Das Échelle des Cru wird ausgearbeitet und tritt in Kraft; „Champagne“ muss auf den Etiketten, Korken und der Verpackung per Gesetz auftauchen; Ausschreitungen aufgrund von Wein-Betrug werden häufiger; die Aube (und anderen Anbaugebieten) wird der Status der Deuxième Zone Appellation gewährt

1914-1918: Erster Weltkrieg – Schlacht an der Marne; vier Jahre wird Grabenkrieg im Herzen der Champagne geführt, wodurch viele Weinberge zerstört werden

1920er: In der Champagne werden die Weinberge mit gepfropften Reben wiederbepflanzt; dies wird von der Association Viticole Champenoise finanziert und geleitet; die Grundweine werden nun komplett vergoren; um die zweite Gärung zu initiieren, werden Reinzuchthefen eingesetzt; eiterhin werden die Korken nun mit Paraffinwachs behandelt; extra-secs und secs werden immer beliebter, Rosés kommen aus der Mode und Blancs werden zum Trend; Abfüllanlagen werden immer mehr automatisiert oder halbautomatisiert; Prohibitonsbewegungen führen zu Einschränkungen der Weinexporte

1927: Aube (und andere Anbaugebiete) verlieren das Stigma der Deuxième Zone und werden voll anerkannt

1930: Weltwirtschaftskrise – die Zahl der der Winzer in der Champagne fällt von 25.000 auf 13.300; der Überschuss an Trauben gebiert Récoltants Manipulants und Genossenschaften, welche das Traubenmaterial selbst weiterverarbeiten

1936: Die Flaschenproduktion ist 100% mechanisiert; es werden keine von mundgeblasenen Flaschen mehr verwendet

1937: Moët & Chandon präsentiert die erste Prestige-Cuvée aller Häuser, den Dom Pérignon

1939-1945: Zweiter Weltkrieg – Deutschland und seine „Weinführer“ besetzen die Champagne als Resultat der Gründung des Comité Interprofessionnel du Vin de Champagne (CIVC); französische Widerstandskämpfern verstecken sich in den Crayères (die Kreidestollen der Champagne, Keller)

1950er: Traktoren usw. ersetzen Pferde und Arbeitskräfte nach und nach im Weinberg; die ersten Gabelstapler finden ihren Einsatz auf den Weingütern; Holztransportkisten werden durch Kartons ersetzt; die Gärung wird temperaturgesteuert

1958: 46 Millionen Flaschen Champagner werden produziert

1960er: Viele Häuser beginnen mit der Einführung von speziellen Cuvées und Prestige-Cuvées; die Produzenten wechseln allmählich Eichenfässern, auf Gärtanks; drei Viertel aller produzierten Champagner werden in Frankreich verkauft

1970er: Gyropaletten, beginnen das Abrütteln von Hand zu ersetzen; zwei Drittel aller produzierten Champagner werden in Frankreich verkauft

1970: 175 Millionen Flaschen Champagner werden produziert

1979: 217 Millionen Flaschen Champagner werden produziert

1989: Das Madrider Protokoll wird ausgearbeitet

1990: 286 Millionen Flaschen Champagner wurden produziert

1996: Das Madrider Protokoll tritt in Kraft

2000: die Champagne Gesamtproduktion steigt auf 331 Millionen Flaschen; die Gesamtrebfläche beträgt 30.396 Hektar

2013: 349 Millionen Flaschen Champagner wurden produziert

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