Der Boden der Champagne

Der Boden, der bei ständiger Bearbeitung schließlich zu einem Werk des Menschen wird, ist von größter Bedeutung: Das Wurzelsystem des Rebstocks breitet sich zu 80 Prozent – vor allem mit den Wurzeln, die die Ernährung sichern – im oberen Bodenbereich aus. Der Unterboden dagegen bleibt, unabhängig von der Bearbeitung des Weinbergs, geologisch unverändert. Die Fußwurzel durchdringt mehrere Unterbodenschichten, deren Struktur die Tiefe des Wurzelsystems, seine Dränage und seine Fähigkeit, wichtige Mineralien aufzunehmen, beeinflusst.
Der ideale Boden für Weinreben besteht allgemein aus einer dünnen, wasserdurchlässigen oberen Erdschicht und einem lockeren, daher gut entwässerten Unterboden, der die Feuchtigkeit hält. So sind der Stoffwechsel der Rebe und die Wechselwirkung zwischen Stoffwechsel und Boden im Allgemeinen gut verständlich. Doch die genaueren Einzelheiten über die Wechselbeziehung zwischen bestimmten Rebsorten und besonderen Bodenarten bilden eine Wissenschaft, in der es noch gründlicher Forschung bedarf.
Das vielleicht bedeutendste Qualitätsmerkmal der in der Champagne angebauten Rebstöcke ist ihre Fähigkeit, reife Trauben mit relativ hohem Säuregehalt hervorzubringen. Das besteht selbstverständlich im wesentlichen auf den Klimaverhältnissen, das heißt auch der Boden spielt eine Rolle. Boden mit gelöstem Kalkanteil, sprich einem hohem pH-Wert, wie in den Belemnit- und Micraster-Kreideböden der Champagne, bringt Trauben mit einem hohen Kationen-, das heißt Säuregehalt hervor. Andere Bodenfaktoren beeinflussen das Pflanzenwachstum; am stärksten wirkt sich der Kalk im Boden der Champagne durch die von ihm ausgelöste Chlorose oder Gelbsucht der Rebe aus. Der hohe Anteil an ungebundenem Kalk im Boden beeinträchtigt den Zugang zum Eisen und – in etwas geringerem Maße – zum Mangan. Das wirkt sich ungünstig auf die Bildung von Chlorophyll aus, dem lebenswichtigen grünen Farbstoff in den Blättern, der mittels Sonnenlicht einfache Elemente in Pflanzennährstoff verwandelt. Ist dieser nicht in ausreichender Menge vorhanden, kommt es zur Chlorose, und das Weinlaub wird gelblich. In der Champagne begegnet man diesem Missstand normalerweise, indem man Sorten mit widerstandsfähigen Unterlagen verwendet sowie Anbauflächen wählt, bei denen die Kreideschicht nur dünn von einer Geschiebeschicht bedeckt ist oder auf denen der Mensch den Boden mit betont sandigem oder lehmigem Lignit an der Oberfläche angereichert hat.
Die meisten Argumente, die vorgebracht werden, um die Bedeutung bestimmter Bodenarten für die Produktion von Qualitätsweinen zu unterstreichen, heben die Verfügbarkeit von Mineralien und anderen Nährstoffen hervor. Diese lebenswichtigen Stoffe erhält der Rebstock im kommerziell betriebenen Weinbau durch den Menschen.

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