Der biodynamische Cristal von Champagne Louis Roederer

Louis RoedererBis 2020 ist bei Champagne Louis Roederer geplant, die Prestige-Cuvée Cristal ausschließlich aus biodynamisch angebauten Trauben zu produzieren.
Der vor kurzem veröffentlichte Cristal Rosé 2007, hat diesen Schritt bereits geschafft und Jean-Baptiste Lécaillon schaut euphorisch dem nächsten Schritt entgegen.
Er erklärt das der Entwicklungsprozess in vollem Gange ist, bei dem 2007 Cristal waren 20% der Trauben biodynamischen Ursprungs und 2014 lag der Anteil bereits bei 70%.
Champagne Louis Roederer ist der größte biodynamische Produzent der Champagne. Man profitierte dabei auch von dem biodynamisch bewirtschafteten Zukauf von Champagne Leclerc Briant im Jahr 2012. Heute wird mehr als ein Viertel der 240 Hektar Rebfläche die sich im Besitz von Louis Roederer befinden, biodynamisch bewirtschaftet.
Die Umstellung auf Biodynamik nahm 2000 seinen Anfang. Aufgrund seines wissenschaftlichen Hintergrunds, einschließlich eines Doktortitels in Chemie, nutzte Lécaillon einen empirischen Ansatz zur Umstellung der Weinberge. Er unterteilte die Weinberge in 3 verschiedene Anbaumethoden, biodynamisch, biologische Landwirtschaft und der konventionelle Anbau.
Trauben, Most und der Grundwein werden seit beginn der Umstellung blind verkostet und folgend die sensorischen Eigenschaften verglichen. Die biodynamischen Produkte konnten dabei vor allem in den exklusiven Lagen punkten. Bei den einfachen Lagen waren die Ergebnisse durchwachsen.
Daher traf man die Entscheidung in Aÿ (Pinot Noir), Avize (Chardonnay) und Verzenay (Pinot Noir) ausgewählte Lagen in Abschnitte zu unterteilen und eine Langzeit-Evaluation von 20 bis 30 Jahren vorzunehmen. Lécaillon ist dabei der Überzeugung, mit diesem Weg einen objektiven Beweis der besseren Qualität nachweisen zu können und nicht nur als gläubiger Anhänger dieser Anbaumethode zu gelten.
Aufgrund des esoterischen Charakters einiger biodynamischen Praktiken und einem Mangel an wissenschaftlichen Erkenntnissen der Biodynamik, stehen auch viele Experten skeptisch dem Thema gegenüber. Wobei Lécaillon der Überzeugung ist, dass der größte Vorteil des biodynamischen Weinbaus die erhöhte Komplexität und Intensität in der Nase ist.
Das Team um Lécaillon schafft es heute auch 100% der in Blind-Verkostung degustierten Weine, nach Biodynamik oder nicht zu unterscheiden.
Lécaillon bedauert auch, dass er solange mit der Umstellung der Lagen für den Cristal gewartet hat. Aber 2000 war man sich einfach noch zu Unsicher, sich an die besten Lagen zu wagen und das Risiko für den Cristal war zu hoch. Seit 2006 hat sich diese Meinung grundlegend geändert und man hat sich explizit auf diese Lagen konzentriert.
Zu den Vorteilen in der Nase kommen für Lécaillon auch ein größeres Reifepotenzial und ein besserer Ausdruck des Terroirs. In den Weinen findet man nun mehr Frische, mehr Mineralität, mehr Intensität und mehr Komplexität. Dadurch verändert sich auch die bisherige Denkweise bei der Assemblage und Textur und der Charakter des Terroirs tritt in den Vordergrund gegenüber den bisherigen prozentualen Anteilen der Rebsorten, um den gewünschten Wein zu kreieren.

Foto: © bloomberg.com

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