Das Pfropfen

Der Unterschied zwischen den Pfropftechniken liegt ausschließlich in der Form, in der Unterlagsrebe und Edelreis geschnitten werden, wobei das Hauptziel ist, eine möglichst große Fläche zwischen den beiden Reisern zu schaffen. Die Unterlagsrebe muss dem Edelreis im Wachstum voraus sein, sonst beginnt das Pfropfreis Blätter zu treiben, bevor die Verwachsung abgeschlossen ist; solche Pfropfreiser gehen mangels Wasser und Nahrung zugrunde. Damit die Verbindung erfolgreich verläuft, bildet die Pfropfrebe um die Schnittstelle herum Kallus, während die beiden Pflanzenteile sich miteinander verbinden.
Zur Champagnerproduktion herangezogen werden dürfen Reben erst nach dem „dritten Blatt“, das heißt wenn sie drei Jahre alt sind. Winzer, die Topf- oder Kartonagereben kaufen, sparen eine Jahresernte und damit einen beträchtlichen Teil ihres Einkommens ein. Viele Winzer warten sogar 4 oder 5 Jahre ab, um die jungen Reben nicht zu überfordern; die Rebstöcke danken es ihnen mit einem längeren und ertragreicheren Leben. Wie bei vielen wirtschaftlichen Entscheidungen muss zwischen kurz- und langfristigem Nutzen gewählt werden.
Es gibt zwei Grundmethoden, das gewünschte Edelreis auf die Unterlagsrebe zu pfropfen: die Tisch- und die Standortveredelung.

Tischveredelung
Herbst werden sowohl von den Unterlagen als auch von den Edelsorten Abschnitte genommen und bis Mitte oder Ende des Winters gelagert. Dann werden sie nach einer von mehreren Methoden zugeschnitten, damit eine möglichst gute Verbindung zustande kommt. In diesem Stadium ist die Unterlage etwa 25 Zentimeter, das Edelreis je nach angewandter Schnittform 3 bis 5 Zentimeter lang. Nach dem Pfropfen wird die Verbindungsstelle zum Schutz in Paraffin getaucht. In einigen Rebschulen verbleiben die jungen Pfropfreben eine Zeit lang in Kallus-Kisten, in denen sie – bis zu 500 Stück auf einmal – in Sägemehl, Holzkohle, Moos oder einer Kombination dieser drei Materialien gelagert werden, um die Bildung von Kallusgewebe über der Schnittstelle zu erleichtern. Kalluszellen brauchen zur Entwicklung Wärme – eine gleichbleibende Temperatur zwischen 26 und 28 Grad Celsius – sowie freie Luftzirkulation.
So erreicht man, dass sich über der Schnittwunde vor dem Auspflanzen auf dem Rebschulgelände eine Schutzhaut oder Kallus bildet; erst in der nächsten Saison werden sie dann im Weinberg ausgepflanzt. Schnittformen, die bei der Tischveredelung angewandt werden, sind: Jupiter-, Omega-, Spalt-, Säge- oder Hengl- und Englischer Kopulationsschnitt mit kurzer oder langer Gegenzunge.

Standortveredelung
Von Standortveredelung spricht man, wenn die Unterlagsrebe im Herbst einfach im Weinberg eingepflanzt und im folgenden März das Pfropfreis auf jene Unterlagen okuliert wird, die Wurzeln geschlagen haben. Bei der Standortveredelung bedient man sich vornehmlich der Spaltmethode, die in Kalifornien angewandt wird, wo die Rebsorten je nach Trend häufig gewechselt werden: Der Winzer schneidet in Höhe der Veredelungsstelle die gesamte Edelrebe ab und steckt das Pfropfreis der neuen Sorte einfach in den an der Schnittstelle angebrachten Spalt. Andere Methoden, alles Abarten der Spaltmethode, sind: Acrial-, Herbst-, Mayorquin- und Schüdveredelung. Alle diese Veredelungen können an vorhandenen Reben vorgenommen werden, ohne etwas von der Spitzenbelaubung zu entfernen, mit dem Vorteil, dass der Rebstock weiterlebt, wenn ein Pfropfreis nicht anwächst und man weitere Versuche unternehmen kann.

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